Die Massnahmenpalette umfasst 24 Massnahmen. Davon sind 5 Grundmassnahmen und 19 spezifische Massnahmen. Im Ko-Innovativen Ansatz können noch weitere neue Massnahmen gemeinsam mit den beteiligten Betrieben entwickelt und umgesetzt werden.
1. Mechanische Stopplebearbeitung (spezifische Massnahme)
Beschreibung Massnahme | Die Stoppelbearbeitung stellt eine bodenschonende Alternative zum Pflug dar und dient dazu, ausgefallene Körner und Unkrautsamen nach der Ernte möglichst rasch und vollständig zum Auflaufen zu bringen, damit sie in der Folgefrucht nicht stören. Dabei soll in einem ersten Bearbeitungsgang ein optimales Saatbett für das Ausfallgetreide (und Unkräuter) zur Schaffung optimaler Keimbedingungen geschaffen werden. Zusätzlich werden die wasserführenden Poren unterbrochen, was eine geringere Verdunstung zur Folge hat. Beim zweiten Durchgang stehen die Vernichtung des aufgelaufenen Getreides und die Förderung der Strohrotte im Vordergrund. Der Einsatz der Maschinen wie z.B. Scheibeneggen, Flachgrubber und Schälpflug, richtet sich nach Bodentyp und Unkrautpopulation. Für den besten Effekt ist oft eine mehrmalige Stoppelbearbeitung sinnvoll. Bei Getreide sollte der erste Bearbeitungstermin möglichst bald nach der Ernte erfolgen. Nach der Rapsernte Ausfallkörner auflaufen lassen und nicht sofort den Boden bearbeiten. Nach der Maisernte wichtig für die Bekämpfung des Maiszünslers und für die Reduktion von Fusarium graminearum. |
Bedingungen | Mechanische Stoppelbearbeitung nach Getreide, Raps und Mais, kein Herbizideinsatz nach der Stoppelbearbeitung |
2. Bodenbearbeitung in reduzierten Bodenbearbeitungssystemen (spezifische Massnahme)
Beschreibung Massnahme | Durch eine wendende Bodenbearbeitung oder einen Umbruch wird eine von Ernteresten und Unkräutern freie Ackeroberfläche erreicht. Der Umbruch des Ackers leistet somit auch einen wichtigen Beitrag zur Unkrautregulierung sowie zur Schädlings- und Krankheitsbekämpfung. Reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat neigen jedoch dazu, den Boden zu schützen und seine Fruchtbarkeit zu verbessern (konservierende Landwirtschaft). Wegfall des Wendens und veränderte Keim- und Auflaufbedingungen beeinflussen die Unkräuter. Folgende Veränderungen der Unkrautflora sind zu erwarten: Zunahme einkeimblättriger Arten (einjährige Rispe, Ackerfuchsschwanz, Trespenarten) und mehrjähriger Wurzelunkräuter (Quecke, Kratz- und Gänsedistel). Bei reduzierter Bodenbearbeitung und vor allem bei Direktsaat kommt oft Glyphosat zur Unkrautbekämpfung zum Einsatz. Die Direktsaat fördert diverse Krankheiten: Fusarien führen bei Weizen nicht nur zu essentiellen Ertragsverlusten, sondern führen bei starker Mykotoxinbelastung zu Totalausfall, da das Erntegut verbrannt werden muss. Bei pfluglosem Anbau von Getreide nach Mais bewirkt feines Mulchen der Maisernterückstände (s. Massnahme 3) eine gewisse Hemmung der Ährenfusariose durch den Haupterreger Fusarium graminearum. Auf der anderen Seite wird Microdochium spp. durch Pflugeinsatz auch eher gehemmt. Direktsaat wirkt sich meist ungünstig auf die Regulierung diverser Schadinsekten aus (Maiszünsler, Drahtwurm, Rübenmotte). Dieses Risiko kann in manchen Fällen (z.B. Maiszünsler) durch Zerkleinern der Ernterückstände reduziert werden (s. Massnahme 6). Direktsaat fördert jedoch auch das Überleben von Parasitoiden und Räuber und stärkt damit die natürliche Schädlingsregulierung im Folgejahr. Ziel dieser Massnahme ist es Direktsaatsysteme mit einer sparsame, sehr gezielte Bodenbearbeitung zu ergänzen, um die positiven Effekte beider Methoden (mit und ohne Pflug) zu kombinieren und gewisse Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge besser und möglichst ohne PSM zu regulieren. Die genaue Art der Bodenbearbeitung wird von den lokalen Bedingungen abhängen (Fruchtfolge, Mechanisierung, Ausgangssituation der Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge, …) und je nach Projektregion und Betrieb anders sein. |
Bedingungen | Einsatz von Pflug (mindestens 10 cm tief) in Direktsaatsystemen (no till) oder in Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung (mind. 1x bis max. 2x in 6 Jahren). |
3. Zerkleinerung von Ernterückständen (spezifische Massnahme)
Beschreibung | Die Zerkleinerung der Ernterückstände von Ackerkulturen unmittelbar nach der Ernte und vor der anschliessenden Bodenbearbeitung (d.h. vor der Stoppelbearbeitung) beschleunigt deren biologischen Abbau. Damit werden die Überlebenschancen bzw. die Vermehrung von Krankheitserregern und Schädlingen reduziert. |
Bedingungen | Umsetzung bei Raps, Getreide ohne Wegfuhr des Strohs, Körnermais, Sonnenblumen. Zerkleinerung mit einem Mulchgerät spätestens 3 Tage nach der Ernte. |
4. Falsche Saatbettbereitung / Unkrautkuren (spezifische Massnahme)
Beschreibung der Massnahme | Jede mechanische Bearbeitung von Ackerflächen regt neue Samen zur Keimung an. Ca. 2 bis 4 Wochen vor dem geplanten Saattermin der nächsten Kultur wird ein gleichmässiges Saatbett errichtet. Anschliessend wächst das Unkraut bis zum 2- bis 4- Blattstadium und wird in einer Tiefe von 3-5 cm, z.B. mit Striegel oder Egge, entwurzelt. Der Vorgang kann bei hoher Unkrautdichte oder einer besonders unkrautempfindlichen nächsten Kultur wiederholt werden. |
Bedingungen | Ansaat einer Ackerkultur als Hauptkultur im Herbst oder Frühling |
5. Weitere im Rahmen des ko-innovativen Prozesses mit den Landwirten erarbeiteten Ansätze und Massnahmen (spezifische Massnahme)
6. Feinoptimierung Aussaat (Grundmassnahme)
Beschreibung Massnahme | Alle Massnahmen, welche die Konkurrenzkraft von Kulturpflanzenbeständen fördern, führen zu einer besseren Unkrautunterdrückung wie z.B. angepasste Aussaatzeiten, Saatdichten und Saattiefen. Die Förderung einer schnellen Jugendentwicklung ist von besonderer Bedeutung, da durch eine schnelle Bodenbedeckung der Kultur Unkräuter wirksam unterdrückt werden. Höhere Saatdichten kompensieren Verluste bei der mechanischen Bodenbearbeitung. Bei Frühjahrsaussaaten resp. –pflanzungen wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Soja ist generell abzuwarten, bis der Boden genügend warm ist. Raps: Ziel ist eine gute Entwicklung des Rapsbestandes im Herbst. Breitsaat ist nur auf Flächen mit sehr geringem Unkrautdruck zu empfehlen. Der Reihenabstand bei der Reihensaat muss auf die verfügbare Hacktechnik abgestimmt sein. Winterweizen: Im Allgemeinen entwickelt sich die Verunkrautung nach früher Aussaat stärker als nach später. Durch eine späte Saat können viele Unkräuter reduziert werden (v.a. Ackerfuchsschwanz und Windhalm). Bei Druck durch samenbürtige Krankheiten: Aussaat von Getreide nicht zu spät durchführen. |
Bedingungen | Aussaatzeitpunkt und Saatdichte der Kulturen (inkl. Zwischenfrüchte) müssen optimiert und mit der Beratung abgestimmt werden. |
7. Weniger anfällige Sorten/Geeignete Sortenwahl (Grundmassnahme)
Foto: A. Abidovic
Beschreibung Massnahme | Sorten werden aus den jährlich publizierten empfehlenden Sortenlisten für alle Ackerbaukulturen ausgewählt, in denen nicht nur Ertrags- und Qualitätsparameter, sondern auch die Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Krankheiten aufgeführt sind. Dazu gehören insbesondere folgende Krankheiten: Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln; Mehltau, Gelbrost, Braunrost, Septoria nodorum/S. tritici und toxigene Fusarien bei Weizen; Cercospora-Blattflecken bei Zuckerrüben; Wurzelhals- und Stängelfäule bei Raps sowie Helminthosporium turcicum-Blattflecken bei Mais. Bzgl. der Konkurrenzstärke gegenüber Unkräutern gibt es keine Beschreibungen in den Sortenlisten. Bei Mais gibt es jedoch Sorten mit schnellerer Jugendentwicklung, die ausserdem später gesät werden, um Unkräuter besser zu unterdrücken. Bei Soja gibt es ein Züchtungsprogramm für konkurrenzstarke, unkrautunterdrückende Sorten. Die Wahl wenig anfälliger oder konkurrenzstarker Sorten wird gefördert. Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Krankheitsresistenz und anderen erforderlichen Parametern (Ertrag, etc.) zu etablieren. Die Sortenwahl wird an die lokalen Bedingungen angepasst, da der Krankheitsdruck je nach Fruchtfolge (Aufbau von Pathogen-Inokulum), initialer Pathogen-Situation, Anbaulage und Bodentyp stark variiert. |
Bedingungen | Gemeinsame Sortenentscheide durch Forschung, Beratung und Betrieb. Anbau der vereinbarten weniger anfälligen oder konkurrenzstarken Sorten der verschiedenen Ackerbaukulturen während der gesamten Projektdauer. |
8. Angepasster Stickstoff-Einsatz (Grundmassnahme)
Beschreibung Massnahme | Stickstoff ist der Motor des Pflanzenwachstums und beeinflusst indirekt die Entwicklung von Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen. Eine Stickstoffüberdüngung kann das Auftreten bestimmter Krankheiten fördern (Sinaj et al., 2017). Eine genaue Anpassung der Stickstoffdüngung an den Bedarf der jeweiligen Kultur verringert Probleme mit Krankheiten und Schädlingsbefall (INRA 2011). Im Gegensatz dazu, stimuliert eine richtige Stickstoffdüngung das Wachstum der Kultur, was zu einem Konkurrenzvorteil gegenüber Unkräutern führt und durch Schädlinge versachte Schäden kompensiert. Eine gute angepasste Stickstoffdüngung an den Bedarf der jeweiligen Kultur ermöglicht es daher Pflanzenschutzprobleme zu verringern und folglich den Einsatz von PSM zu reduzieren. |
Bedingungen | Die Stickstoffdüngung aller Kulturen der Fruchtfolge muss gemäss den N-Düngungsempfehlungen erfolgen, welche in den Grundlagen für die Düngung im Acker- und Futterbau (GRUD) definiert sind. |
9. Bekämpfungsschwellen und Prognosesysteme (Grundmassnahme)
Beschreibung Massnahme | Bekämpfungsschwellen (BKS) für Krankheiten und Schadinsekten sowie Prognosesysteme sind essentielle Entscheidungshilfen zur Anwendung gezielter und direkter Bekämpfungsmassnahmen. Wenn korrekt angewendet, verhindern sie unnötige Anwendungen von PSM. Für drei wichtige Insektenschädlinge im Ackerbau wurde die BKS in den letzten Jahren wissenschaftlich überprüft und z.T. angehoben. Die regelmässige Kontrolle des Schadorganismus-Befalls pro Parzelle ist jedoch mit einem gewissen Know-how und Arbeitsaufwand verbunden, weshalb die Bedeutung der BKS in der Praxis abgenommen hat. Bei dieser Massnahme soll die Anwendung der BKS intensiviert werden, mit entsprechender Intensivierung der Überwachung der Befallssituation. Ein umfassender und konsequenter Einsatz von FusaProg (Fusarien in Getreide) und von PhytoPRE (Kraut- und Knollenfäule in Kartoffeln) unter Einbezug von Wettermodellen, Befallsherden in der Nähe und Anbaufaktoren führt zu einem gezielten und reduzierten Fungizideinsatz. |
Bedingungen | Betriebe erhalten PS-Bulletins der kantonalen Beratung auf einem Kanal, den sie nutzen (z.B. SMS, Apps, E-Mail). Betriebe orientieren sich an den PS-Bulletins, d.h. sie gehen aufs Feld, bestimmen die BKS gemäss Agridea-Unterlagen, melden diese an den Beratungsdienst, nehmen bei Unklarheit mit der PS-Beratung Kontakt auf und behandeln nur, wenn nötig. Betriebe nutzen für ihre Anbaurichtungen verfügbare Spritzmittelrechner.
Kartoffeln – Kraut und Knollenfäule (Phytophthora infestans): Der Behandlungstermin mit einem Fungizid kann durch Kenntnis eines Befallsherdes in der Region (10 km-Umkreis), des witterungsbedingten Infektionsrisikos und der Sorte verzögert werden. Unter Berücksichtigung dieser Daten, der Witterungssituation während des Setzens und der Informationen des Prognosemodells PhytoPRE wird im Austausch zwischen Pflanzenschutzberatung und landwirtschaftlichem Betrieb der optimale Zeitpunkt für die Fungizidbehandlungen bestimmt. Die Bonituren selbst sind sehr aufwändig und daher keine Grundmassnahme. Kartoffelkäfer & Blattläuse: Bonitur des Befalls. Getreide – Halmbruch (Pseudocercosporella sp.), Septoria (Zymoseptoria sp.), Mehltau (Blumeria sp.) und Ährenfusariosen/Mykotoxine (Fusarium graminearum): Fungizidbehandlung erst nach Überschreiten der BKS durchführen. Bez. Ährenfusariosen FusaProg nutzen und Fungizidbehandlung erst bei Deoxynivalenol-Prognose von > 0.5 ppm durchführen. Die Bonituren sind sehr komplex, da sie alle Krankheiten erfassen und sind daher keine Grundmassnahme. Getreidehähnchen: Bonitur des Larvenbefalls. Neue (ab 2019) angehobene BKS anwenden. Raps: Gelbschalenfallen (Rapsglanzkäfer, Stängelrüssler, Erdfloh etc.) stellen, Anzahl Individuen auszählen und zeitnah in geeigneter Form zurückmelden. Regelmässige Bonituren des Schädlingsbefalls in Kultur (1-2x/Woche) gemäss Vorgaben des Agridea-Merkblatts zu BKS. Bonituren der Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) bei Raps (1x/Saison). Zuckerrüben – Cercospora: Aufstellung von Sporenfallen auf 1-2 teilnehmenden Betrieben pro Region und Datenberechnung durch in der Schweiz noch nicht verfügbares deutsches Prognosesystem ISIP (Region Waldshut). Bonituren der Cercospora-Blattflecken (2x/Saison). Mais – Exserohilum turcicum / Helminthosporium turcicum: Bonituren der Turcicum-Blattflecken (8x/Saison). Maiszünsler: Bonitur des Larvenbefalls (1x/Saison). Wenn verfügbar (voraussichtlich ab 2019/20): PS-Berater nutzen für teilnehmende Betriebe überbetriebliche Flächeninformationen auf AgriGIS durch Einbezug ausserbetrieblicher Nachbarkulturen zur Risikoabschätzung |
10. GPS-gesteuerte Saat /Parallelfahrsysteme (spezifische Massnahme)
Foto: Agridea
Beschreibung Massnahme | Überlappungen bei allen Pflegearbeiten (Düngung, Pflanzenschutz, mechanische Unkrautbekämpfung) zwischen den Arbeitsbreiten aufgrund in unpräzisen Abständen angelegter Pflegefahrgassen sind aus agronomischer, ökonomischer und ökologischer Sicht unerwünscht. Bei der Aussaat mit GPS-Lenksystemen werden Pflegefahrgassen in präzisen Abständen angelegt und es kann bei Pflegemassnahmen (Düngung, Hacken, Pflanzenschutz) auch ohne GPS-Lenksystem präzise, ohne Überlappungen zwischen den Reihen gefahren werden. GPS-Lenksystemen sind heute in der Schweiz aus Kosten- und Rentabilitätsgründen nur bei einigen Lohnunternehmern und Gemüsebaubetrieben im Einsatz. |
Bedingungen | Saat und Pflanzung werden mit GPS-Lenksystemen mit hoher Genauigkeit (± 2.5-5- cm) durchgeführt und die Pflegefahrgassen exakt im Abstand der Arbeitsbreite des PS-Geräts angelegt. |
11. Optimierter Zwischenkulturanbau (spezifische Massnahme)
Foto: N. Courtois
Beschreibung Massnahme | Der Anbau von Zwischenfrüchten zwischen zwei Hauptkulturen bietet verschiedene Ökosystemleistungen, wie z.B. Unkrautunterdrückung. Momentan werden unkrautunterdrückende Zwischenfrüchte wenig genutzt und ihre Verbreitung ist regional sehr unterschiedlich. Die Unkrautunterdrückung ist nicht immer effizient, was vor allem an mangelnder Erfahrung mit dieser Methode liegt. Es gibt viele verschiedene Zwischenfrüchte, die einzeln oder in Mischung (1 bis 12 Arten) angebaut werden können. Ausserdem können Zwischenfrüchte unterschiedlich zerstört werden (klimatisch, mechanisch, chemisch) und die Wahl der Zwischenfrucht wird auch von der Folgekultur und dem Anbausystem beeinflusst. Der Anbau von Zwischenfruchtmischungen zur Regulierung von Unkräutern und bestimmten Krankheiten wird gefördert. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Mischung für den jeweiligen Standort, die vorliegende Fruchtfolge und die vorhandenen Unkrautarten auszuwählen. Die Auswahl der Mischung (abfrierend, nicht abfrierend, mit oder ohne Leguminosen, etc.), der Aussaattermin und Zeitpunkt und Art der Zerstörung werden an die lokalen Bedingungen angepasst. |
Bedingungen | Anbau von Zwischenfruchtmischungen zur Regulierung der Unkräuter. Die Auswahl der richtigen Mischung für den jeweiligen Standort, die vorliegende Fruchtfolge, die vorhandenen Unkrautarten, der Aussaattermin und Zeitpunkt und Art der Zerstörung werden an die lokalen Bedingungen angepasst und von Beratung, Forschung und Bewirtschaftenden gemeinsam festgelegt. |
12. Mischungen von Sorten und Arten (spezifische Massnahme)
Foto: N. Courtois
Beschreibung Massnahme | Bei einer Mischkultur handelt es sich um den gleichzeitigen Anbau mehrerer Nutzpflanzensorten oder -arten auf einer gleichen Fläche, z.B. Körnerleguminosen in Mischkultur mit Getreide. Beide Kulturen werden geerntet. Der gleichzeitige Anbau verschiedenen Arten oder Sorten kann die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen vermindern (Verdünnungseffekt, physikalische Barriere). Mischkulturen erschweren die visuelle Pflanzenerkennung durch Schädlinge. Diese Methode wird heute vor allem im Biolandbau eingesetzt. Der Anbau von Mischkulturen zur Regulierung von Krankheiten, Schädlingen und Unkräuter wird gefördert. Die grösste Herausforderung besteht darin, erntbare (unterschiedliche Frühreife, Sortierung des Erntegutes) und vermarktbare (Aufkauf durch die Sammelstellen) Mischkulturen zweier Arten anzubauen |
Bedingungen | Anbau von Mischungen mit mindestens 2 Sorten oder 2 Kulturarten |
13. Untersaaten (spezifische Massnahme)
Foto: C. Savoyat
Beschreibung Massnahme | Als Untersaat bezeichnet man die Saat einer Begleitpflanze zusätzlich zu einer Hauptfrucht. Die Aussaat von Untersaaten kann gleichzeitig mit der Hauptfrucht oder später in den bereits bestehenden Hauptfruchtbestand hinein erfolgen. Untersaaten dienen hauptsächlich der Bodenbedeckung und Unkrautunterdrückung, können aber auch bestimmte Krankheiten in der nachfolgenden Kultur reduzieren. Sie sollen Unkrautaufwuchs reduzieren ohne die Kulturpflanze nennenswert zu konkurrenzieren. Ein Beispiel dafür ist Raps mit Untersaat. Diese Methode wird momentan auf circa 5% der Raps Anbauflächen angewandt. Untersaaten im Mais und Weizen werden momentan vor allem im Biolandbau eingesetzt. Der Anbau von Untersaaten zur Regulierung der Unkräuter in Raps, Mais und Getreide sowie zur Regulierung von Krankheiten in der nachfolgenden Kultur wird gefördert. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Begleitpflanzen für den jeweiligen Standort, die vorliegende Fruchtfolge und die vorhandenen Unkrautarten und Krankheiten auszuwählen. Die Auswahl der Begleitpflanzen, der Aussaattermin und die Zerstörung/Verwertung der Begleitpflanzen werden an die lokalen Bedingungen angepasst. |
Bedingungen | Anbau von Untersaaten. Die Auswahl der richtigen Begleitpflanzen für den jeweiligen Standort, die vorliegende Fruchtfolge, die vorhandenen Unkrautarten, der Aussaattermin und die Zerstörung/Verwertung der Begleitpflanzen werden an die lokalen Bedingungen angepasst und von Beratung, Forschung und Bewirtschaftenden gemeinsam festgelegt. |
14. Push-Pull Techniken gegen den Rapsglanzkäfer (spezifische Massnahme)
Foto: N. Courtois
Beschreibung Massnahme | Die Technik kombiniert innerhalb einer Parzelle Naturstoffe oder Pflanzen mit abstossender Wirkung («push», in der Parzelle) und solche mit anziehender Wirkung («pull», am Parzellenrand). Ziel ist es, Schädlinge von den Kulturen wegzulocken. Die Technik soll erstmals zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers eingesetzt werden, ein Schädling, der in der Schweiz intensiv mit Insektiziden bekämpft wird. Als «Push»-Komponente wird Gesteinsmehl eingesetzt (Handelsname „Surround“; zugelassen gegen Rapsglanzkäfer, 1-2 Anwendungen vor der Blüte), welches die Frasstätigkeit des Schädlings reduziert und damit die Abwanderung fördert. Als «Pull»-Komponente werden am Feldrand frühblühende Rübsen (Brassica rapa var. Silvestris) angesät, die aufgrund ihres Entwicklungsvorsprungs eine deutlich anziehende Wirkung auf Rapsglanzkäfer ausüben. Als zusätzliche Variante bei hohem Schädlingsdruck kann der Einsatz des entomopathogenen Pilzes Beauveria bassiana (Produkt «Naturalis-L») erwogen werden (beschränkt auf den Rübsenstreifen). |
Bedingungen | Rübsen werden im Herbst zusammen mit Raps angesät. Gesteinsmehl (Surround) wird zu Beginn der Glanzkäfer-Einwanderung auf Knospen appliziert. Ein von Agroscope neuentwickeltes Prognosemodell soll den optimalen Einsatzzeitpunkt festlegen. Rübsen muss separat geerntet werden. |
15. Habitat-Management: Nützlings-Blühstreifen a, b, und c (spezifische Massnahme)
Foto: L. Hagenmayer
Beschreibung Massnahme | Blühstreifen sollen bestimmten Nützlingen eine fortwährende Nahrungsgrundlage und einen Lebensraum bieten und auf diesem Wege die Anzahl Nützlinge sowie deren Vielfalt fördern40. Die biologische Kontrolle von Schädlingen ist eine Massnahme des präventiven Pflanzenschutzes. Die Blühstreifen sind möglichst streifenförmig und in der Feldmitte anzulegen, um in der angrenzenden Kultur eine grosse Wirkung auf Schädlinge zu erzeugen, und vor der Ansaat als Acker bzw. Kunstwiese genutzt. Alle Vorfrüchtesind möglich, und je nach Folgekultur kann der Blühstreifen bis in den Frühling stehen gelassen werden. Aussaat von einem jährlichen Blühstreifen in der Mitte der Kultur. Zudem wird 1-2 Blühstreifen am Rand der Projektparzellen angesät. Diese bleiben mind. für die Dauer des Projektes. |
Bedingungen | a) und b): Ansaat, Pflege und optimale Umsetzung eines einjährigen Blühstreifens (Massnahme 15a) resp. in der Parzelle (Massnahme 15b) während 6 Jahren. Vom BLW bewilligte Saatmischungen mit einheimischen Wildkräutern verwenden. c) Ansaat, Pflege und optimale Umsetzung eines mehrjährigen Blühstreifens am Rand der Parzelle (Massnahme 15c) während 6 Jahren. Die Fläche ist im Flächenformular als Rotationsbrache anzumelden. Die vom BLW für ein entsprechendes Agroscope-Projekt bewilligte Mischung ist zu verwenden. |
16. Weitere im Rahmen des ko-innovativen Prozesses mit den Landwirten erarbeiteten Massnahmen
17. Mechanische Unkrautregulierung (spezifische Massnahme)
Foto: C. Savoyat
Beschreibung Massnahme | In den Kulturen können auf Parzellen mit schwachem Unkrautdruck (weniger als 20% Bodenbedeckung, keine Problemunkräuter) die Unkräuter mechanisch durch flaches Hacken oder durch Striegeln ausreichend bekämpft werden. Die Wahl der Geräte richtet sich nach dem Stadium der Kulturen und der Unkräuter sowie der Reihendistanz. Spezielle Geräte sind notwendig. Diese Massnahme hat zum Ziel, die mechanische Unkrautbekämpfung auf ÖLN-Betrieben zu fördern. Die Herausforderung besteht darin, eine unerwünschte Vermehrung der Unkräuter durch die richtige Technik zu vermeiden. Diese Technik muss für den jeweiligen Standort, die vorliegende Kultur und Fruchtfolge und die vorhandenen Unkrautarten angepasst werden. |
Bedingungen | Angepasster Einsatz verschiedener Typen von Eggen, Striegeln, Bodenfräsen und Hacken. Ausgeschlossen für no till (Direktsaat) und weniger wirksam bei reduzierter Bodenbearbeitung. |
18. Herbizidfreie Unkrautregulierung unterstützt durch Precision-Farming-Technologien (spezifische Massnahme)
Foto: Agridea
Beschreibung Massnahme | Es stehen verschiedene Precision-Farming-Technologien zur Optimierung der herbizidfreien Unkrautregulierung in Ackerkulturen43 zur Verfügung:
Anwendungsbereich zwischen den Reihen Anwendungsbereich innerhalb der Reihe Der Einsatz solcher teurer Systeme war unter bisheriger Pflanzenschutzpraxis aus Kostengründen kein Thema. Geeignete GPS-Lenksysteme der höchsten Genauigkeitsstufe von +/- 2.5 cm kosten 15-25‘000 CHF zzgl. Korrektursignalabo 44, sensorgesteuerte Hackgeräte kosten 10-30‘000 CHF. (zwischen den Reihen) bzw. 70‘-130‘000 CHF. (innerhalb der Reihe zwischen den Pflanzen). Sie sind in der Schweiz aus Kosten- und Rentabilitätsgründen nur bei einigen Lohnunternehmen und Gemüsebaubetrieben im Einsatz. Von Startups entwickelte kleine, kostengünstigere Hacksysteme sind in der Markteinführungsphase und sollten im Laufe der Projektlaufzeit zur Verfügung stehen. |
Bedingungen | Einsatz entweder GPS- oder kameragesteuerte präziser Hackgeräte. Nur in Kombination mit Massnahme 13 „GPS-gesteuerte Ansaat“ möglich. |
19. Nicht chemische Alternativen zur Krautvernichtung bei Kartoffeln (spezifische Massnahme)
Beschreibung Massnahme | Die Krautvernichtung von Speise- und Industriekartoffeln ist sehr wichtig um ein hochwertiges Ernteprodukt zu erzeugen. Das Abbrennen stoppt die vegetative Entwicklung der Pflanze und führt zu einem Wachstumsstop der Knollen. Der Produzent kann somit zwei wichtige Qualitätskriterien für Kartoffeln, Kalibergrösse und Stärkegehalt der Knollen, beeinflussen. Das Abbrennen ermöglicht auch eine schnellere Schalenfestigkeit, was dazu führt, dass das Risiko die Knollen bei der Ernte zu beschädigen reduziert wird. Bei Pflanzkartoffeln ermöglicht das Abbrennen die Entwicklung der Pflanze vorzeitig zu unterbrechen und damit den Befall der Pflanze mit virusübertragenden (PVY und PLRV) Blattläusen zu verringern. Bei der Zertifizierung von Pflanzkartoffeln wird der Infektionsgrad der Pflanzen durch die genannten Viren kontrolliert und Chargen die zu stark infiziert sind (>10%) dürfen nicht mehr vermehrt werden. Sie müssen als Speisekartoffeln verkauft werden, was bedeutende Einbussen für den Produzenten verursacht. |
Bedingungen | Produktion von Speisekartoffeln, Krautschläger Produktion von Pflanz- und Frühkartoffeln, Krautschläger und Abflammen |
20. Einsatz von Antagonisten, Medizinalpflanzen in spezifischen Kulturen (spezifische Massnahme)
Beschreibung Massnahme | Falls Schadorganismen-Populationen – Krankheiten und Schädlinge – nicht mit vorbeugenden Massnahmen reguliert werden können, werden Antagonisten als natürliche Gegenspieler, Pflanzen-basierte Naturstoffe/Blattdünger eingesetzt. Sowohl entomopathogene Pilze der Gattungen Beauveria und Metarhizium als auch Pilze der Gattung Clonostachys zeigten in Feldversuchen vielversprechende Wirkungen gegen Rapsglanzkäfer, Drahtwürmer bzw. Ährenfusariosen. Das Pilz-Inokulum wird entweder als Sprühapplikation auf Raps, als Pilzgerste in den Boden oder als Sprühapplikation auf Vorfrucht-Ernteresten ausgebracht. Der Naturstoff Frangula alnus wird als Sprühapplikation in Intervallen nach PhytoPRE-Empfehlungen auf Kartoffelpflanzen appliziert. Sämtliche Präparate werden durch Agroscope produziert (betrifft Pilzinokulum) und formuliert. |
Bedingungen | Agroscope und Projektbetriebe vereinbaren gemeinsam den Einsatz von Antagonisten, Medizinalpflanzen. Die Antagonisten werden von Agroscope produziert und appliziert. Aufgrund des grossen Aufwands können alle erwähnten Methoden auf max. je 2 bis 3 Betrieben durchgeführt werden. Die Bewilligung für den Einsatz noch nicht zugelassener Präparate wird vorgängig vom BLW eingeholt. |
21. Weitere im Rahmen des ko-innovativen Prozesses mit den Landwirten erarbeitete Massnahmen (spezifische Massnahme)
22. Chemische Teilflächenbehandlungen (spezifische Massnahme)
Beschreibung Massnahme | Die meisten PSM werden auf der gesamten Parzellenfläche ausgebracht um ein Pflanzenschutzproblem zu lösen. Allerdings treten Schaderreger meist nicht gleichmässig auf der gesamten Fläche auf. Daher ist eine ortsspezifische Applikation der betroffenen Zone oft ausreichend. Eine Teilflächenbehandlung zum richtigen Zeitpunkt genügt zum Beispiel gegen Rapsglanzkäfer und Kartoffelkäfer. Eine ortsspezifische Applikation setzt eine genaue und manchmal zeitaufwendige Beobachtung der Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge voraus. Diese Massnahme ist mit den Massnahmen 9 (Bekämpfungsschwellen und Prognosesysteme) und 18 (Herbizidfreie Unkrauttechnologien unterstüzt durch Precision-farming-Technologien) direkt verbunden. Das Ziel ist es, eine teilflächenspezifische Applikation von PSM zu fördern. Der Landwirt wird für den Mehraufwand entschädigt, den er hat um das Aufkommen von Schaderregern möglichst kleinräumig zu charakterisieren. Die Beobachtungen müssen in Verteilungskarten vermerkt werden. Darüber hinaus bedarf es aber auch einer entsprechenden Applikationstechnik mit deren Hilfe teilflächenspezifisch behandelt werden kann. Die Aufwandsentschädigung soll die entstehenden Mehrkosten abdecken, die durch die genaue Beobachtung der Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten auf der gesamten Parzellenfläche verursacht werden. Diese Beobachtungen werden in Zusammenarbeit mit den kantonalen Beratern und Agroscope, im Rahmen des wissenschaftlichen Monitorings, durchgeführt. |
Bedingungen | Beobachtungen der Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge. Teilflächenbehandlungen nach Bedarf und nach Absprache mit der regionalen Beratungskraft und/oder der Forschung. |
23. Abdriftmindernde Applikationstechnik für Pflanzenschutzmittel (Grundmassnahme)
Beschreibung Massnahme | Abdriftmindernde Applikationstechniken stellen sicher, dass die PSM die Zielpflanzen erreichen und ihre volle Wirkung dort voll entfalten, wo gewünscht. |
Bedingungen | Einsatz von abdriftmindernder Applikationstechnik (z.B. Injektordüsen oder Dropleg). Detailliertere Infomationen s. Merkblatt „Präzise Applikationstechnik“ (AGRIDEA 2013) |